Kommandobrücke wird aufgerüstet

Das Bayernwerk erweitert und modernisiert seine Leitstelle in Neunburg. Das Unternehmen investiert rund fünf Millionen Euro.

Neunburg. Eine der wichtigsten Steuerungszentralen des Bayernwerks wird derzeit erweitert und modernisiert. Diese Kommandobrücke des Bayernwerks für ihr gesamtes Mittelspannungsnetz mit einer Länge von knapp 50 000 Kilometern befindet sich seit 2007 in Neunburg im Bärnhof. Das Hochspannungsnetz mit einer Länge von rund 9000 Kilometern wird von der Leitstelle in Dachau gesteuert. Chef dieser beiden Einheiten ist Wolfgang Tauber. Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung erläuterten er und Architekt Michael Steidl das Erweiterungsprojekt.

Stromversorgung sicherstellen

Das Bayernwerk reagiere damit nicht auf eine Entwicklung, sondern versuche den Herausforderungen, insbesondere aus der Energiewende resultierend, stets einen Schritt voraus zu sein, sagte Wolfgang Tauber. Aus einem ehemaligen Netz mit wenigen zentralen Strom-Einspeisepunkten ist ein Netz mit einer Vielfalt an dezentralen Einspeisepunkten geworden, erläuterte Tauber. 250 000 Photovoltaik-Anlagen mussten ins Netz integriert werden. Der Boom habe sich zwar abgeschwächt von jährlich 45 000 etwa in den Jahren 2009 und 2010 auf jetzt rund 10 000, aber die Netzsteuerung müsse die stark schwankende Stromerzeugung aus der Photovoltaik bewältigen, um das System stabil und die Versorgung sicher zu halten. Deshalb müsse die Software der Leitstellen ständig angepasst und auf dem neuesten Stand gehalten werden. Die Leitstellen in Neunburg und Dachau seien die wichtigsten Steuerzentren für die bayerische Energieversorgung. Von hier aus werde das Netz gesteuert, im Falle von Versorgungsunterbrechungen werde es hier auch wieder aufgebaut.

Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaues werde die technische Ausstattung (Hardware) komplett erneuert. Bis Ende 2017/Anfang 2018 werde das Bayernwerk allein hierfür in Neunburg rund vier Millionen Euro investierten. Konzernweit würden sogar 15 Millionen Euro in die Hände genommen, weil auch die E.ON-Tochterunternehmen Avacon, Edis und Hanse ihre Leitstellen mit der gleichen Technik ausstatten werden. So könne auf gesetzliche Vorgaben einheitlich reagiert werden.

Die Systemtechnik in der Netzleitstelle wird bis Ende 2017/Anfang 2018 komplett erneuert.

Zusätzliche baue das Bayernwerk auch massiv das Netz aus. Rund 529 Millionen Euro stecke das Bayernwerk allein im Jahr 2015 in den Netzausbau, sagte Tauber. Auf Engpässe werde allerdings auch mit intelligenten Lösungen unter dem Motto „Intelligenz statt Kupfer“ geantwortet. Durch technische Innovationen etwa im Bereich der Transformatoren könne steuernd in Stromerzeugungsanlagen eingegriffen werden.

Die Spannung im Netz schwanke durch die dezentrale Einspeisung. Dem wirke zum Beispiel der regelbare Ortsnetztrafo entgegen, in dem er automatisch auf Spannungseinflüsse im Netz reagiere. Damit sorgt er dafür, dass die vorhandenen Kapazitäten im Netz besser genutzt werden. Daraus resultiere auch, dass der Bedarf an Netzausbau und damit an Kupferkabel verringert werde. Diese regelbaren Ortstrafos, die von der Maschinenfabrik Reinhausen bei Regensburg entwickelt worden sind, werden seit 2014 vom Bayernwerk kontinuierlich eingesetzt, informierte Wolfgang Tauber.

Als reguliertes Unternehmen sei es für das Bayernwerk wichtig, dass Fristen eingehalten werden. Die Kosten für die Erweiterung der Leitstelle müssten nämlich bei der Bundesnetzagentur beantragt und genehmigt werden, sonst fließt kein Geld. Deshalb gab es von Wolfgang Tauber großes Lob für Architekt Michael Steidl, dass die Baumaßnahme pünktlich abgeschlossen werden kann.

Hochwertige Technik eingebaut

„Am 1. Dezember kommt die Putzkolonne und einen Tag später kann der Erweiterungsbau übernommen werden“, verkündete Steidl sichtlich erfreut. In Zeiten der Hochkonjunktur sei dieser knappe Termin schon eine besondere Herausforderung gewesen. Ein rechtzeitig erstellter Bauzeitenplan sei dafür unabdingbar. So konnten die benötigten Baustoffe rechtzeitig geordert werden und die beteiligten Baufirmen, überwiegend aus der Region, konnten sich untereinander abstimmen. Am 1. Juli hatte die Firma Wilhelm aus Neunburg mit den Erdarbeiten und der Fundamentierung begonnen. Die Stahlbetonplatte schließe sich an die Ebene 1 des Bestandes an. darauf sei das Hallenelement frei gespannt, so dass spätere Umbauten problemlos möglich sind. Bei Heizung, Lüftung und Klimaanlage ist laut Steidl hochwertige Technik eingebaut worden. Eine Fußbodenheizung komplettiere die Gebäudeausstattung. Die Herstellung der Außenanlagen kann bereits an diesem Freitag abgeschlossen werden. Danach müsse nur noch der Teppichboden verlegt und die Klimadecke eingebaut werden, betonte der Architekt.

Vier neue Büros

Der Erweiterungsbau verfüge über 185 Quadratmeter Nutzfläche auf einer Ebene. Das Gebäude mit Blickausrichtung auf die Solar-Wasserstoffanlage ist laut Steidl hoch wärmegedämmt. Der Baukörper besitze die Maße elf mal 19 Meter. Er bestehe aus einem großen, abteilbaren Besprechungsraum, zwei größeren und zwei kleineren Büros. Weil diese Büros auch mit Leitstellen-Plätzen besetzt sind, müssen diese aus Sicherheitsgründen auch mit einer besonderen Zugangskontrolle ausgestattet sein, ergänzte Tauber.

Quelle: Probst, Karl-Heinz.
http://www.mittelbayerische.de/region/schwandorf/gemeinden/neunburg/kommandobruecke-wird-aufgeruestet-22393-art1300740.html (Stand: 30.10.2015).

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